Hitler, Stalin und der Milchkaffee

September 24, 2011 in Kino, Medien von Alexander

Hitler, Stalin und der Milchkaffee

Die Dame hat schon mit George Clooney und Colin Ferrell gedreht ?

Michael Bully Herbig und Jürgen Vogel standen bei den Dreharbeiten zu Leander Haußmanns neuem Film Hotel Lux mächtig unter Druck. Damit sich die schöne Holländerin Thekla Reuten (

The American, Brügge sehen… und sterben?) zwischen dem näselnden Comedian und dem Schauspieler mit dem unverwechselbaren Grinsen genauso wohl fühlt, haben sie ihr täglich einen Milchkaffee kredenzt, verriet Jürgen Vogel bei einer Pressekonferenz zum Film in Berlin. «Ich kann mir nicht vorstellen, dass Clooney Milchkaffee mitbringt», sagt Vogel, macht sich dabei auf seinem Stuhl ein klein wenig größer und zeigt frech seine unverwechselbaren Zähne. Doch Thekla Reuten kontert lässig: «Der bringt andere Sachen mit.»Gut gelaunt haben die drei Hauptdarsteller, Regisseur Leander Haußmann (Sonnenallee) sowie die Produzenten Günter Rohrbach und Corinna Eich den Film Hotel Lux in Berlin vorgestellt. Und das, obwohl sie den zum Teil eigens dafür herchauffierten Journalisten erst einmal nur eine Rohfassung zeigen konnten. «Wir haben es einfach nicht geschafft», räumt Rohrbach ein und kokettiert: «Wir entschuldigen uns, dass wir sie als professionelles Testpublikum missbrauchen.» Vor allem beim Ton liege noch einiges im Argen, der Abspann, Licht- und Farbabstimmung seien noch nicht fertig und die Übersetzungen noch holprig, hieß es vor der Vorführung.Vielleicht ist es auch ganz geschickt, die Erwartungen erst einmal so herunterzuschrauben, denn tatsächlich flimmerte da kein Desaster über die Leinwand, sondern ein durchaus beachtlicher Film. Viele Bully-Fans werden allerdings überrascht sein. Der Comedian hat jetzt zwar nicht plötzlich ins Dramafach gewechselt, doch der Bully Herbig, der sich durch Haußmanns Film kämpft, ist sehr viel nachdenklicher, als man es bislang von ihm gewohnt war. Hotel Lux ist kein Schenkelklopfer, sondern eine intelligente teils schwarzhumorige Komödie vor bitterer Kulisse. Der Film, der am 27. Oktober in die deutschen Kinos kommt, lässt sich auf das Wagnis ein, Hitler und Stalin aufs Korn zu nehmen.Hitler und Stalin zwischen Can-Can-TänzerinnenBully Herbig spielt den Kabarettisten Hans Zeisig, der in einem Varieté im Jahr 1938 in die Rolle Stalins schlüpft. Sein bester Freund Siggi Meyer (Jürgen Vogel) gibt den verkniffenen Hitler. Noch bevor jemand etwas vom Hitler-Stalin-Pakt ahnen konnte, turnen die beiden Figuren von Can-Can-Mädchen umringt über die Bühne. Brisanter Stoff in einer brisanten Zeit. Weil es für Zeisig am Ku’damm zu heiß wird, flieht er nach Moskau und landet im Hotel Lux. Dort fanden in den 1930er Jahren politische Emigranten Unterschlupf. In Haußmanns Film trifft Zeisig dort auf Figuren wie Walter Ulbricht, Wilhelm Pieck oder Georgi Dimitrow. Obwohl der Komiker weder Nazi noch Kommunist ist, gerät er sowohl in Berlin also auch in Moskau in die Bredouille. Und dann wird er auch noch mit Hitlers Astrologen verwechselt und soll künftig für Stalin die Sterne deuten.

Ein Stoff, mit dem man sich leicht in die Nesseln setzen kann, doch Leander Haußmann gelingt das Kunststück, einen Ton zu treffen, der angemessen ist. «Ich denke, für eine Komödie sind wir sehr vorsichtig und respektvoll mit dem Thema umgegangen. Auch wenn man es nicht direkt sieht, es wird nicht verschwiegen, dass hier auch sehr ernste Dinge passieren. Das Gewaltinstrument ist da, genauso erbarmungslos – nur zeigen wir es nicht», sagt der Regisseur.Hauptdarsteller Herbig gibt zu, dass er sich zunächst sehr gesträubt habe, die Rolle anzunehmen: «Das war eine Spur zu hart für mich, ich hatte das Gefühl, die Zeit stimmt jetzt noch nicht». Das habe Produzent Rohrbach dann aber einfach nicht akzeptiert und schließlich habe ihn das Drehbuch von Haußmann dann so überzeugt, dass er sich hat breitschlagen lassen, erzählt er.Ein Stück des Unbehagens ist ihm aber auch während der Dreharbeiten geblieben: «Ich renne wirklich nicht gern nachts im Hitlerkostüm über den Ku’damm. Ich traue mich nicht einmal, als Hitler allein aufs Klo zu gehen», gesteht er, lacht dabei aber wieder.

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Medien Nachrichten
«Hotel Lux» – Hitler, Stalin und der Milchkaffee

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